Posts Tagged ‘Lexika’

Operation Verbrannte Erde

Tuesday, January 6th, 2009

Hin und wieder gehe ich bei einer Jokers-Filiale vorbei. Einige Monate stand im Eingangsbereich ein Stapel mit der letzten Ausgabe  “Meyers Taschenlexikon” (Verkaufspreis ehemals ungefähr 150 Euro) herum, herabgesetzt auf 49 Euro. Auch in den anderen Buchhandlungen gab es ähnliche Angebote. Eines der Pakete mit den Lexika hatte eine signifikante Kerbe an der Rückseite, so war relativ einfach nachvollziehbar, dass von diesem Stalel über einen langen Zeitraum nichts verkauft wurde.

Seitdem hat die Anzahl von ähnlichen Preisnachlässen spürbar zugenommen. Einen mehrbändigen Brockhaus gibt es jetzt für 99 statt 250 Euro, am anderen Ende der Skala gibt es eine “Meyers Kompaktlexikon” für 5 Euro. Vorauflagen des “neuen Universallexikons” aus dem Bertelsmann Lexikon Institut gehen für leicht moderatere Nachlässe über die Restseller-Verkaufstresen wie beispielsweise bei Weltbild/Jokers.

Das einzige, was jetzt noch fehlt, ist eine Studienausgabe der Brockhaus Enzyklopädie in 30 Bänden für, sagen wir mal, 999 Euro oder eine Wagenladung der Ledereinband-Enzyklopädie mit “Transportschäden” für 1250 Euro.

Berücksichtigt man noch die Schwemme an Zeitungs-Brand-Lexika in den letzten Jahren, kann ich mir immer schwerer vorstellen, dass der Markt für gedruckte Lexika nicht aufgrund des “geänderten Medienverhaltens” und Wikipedia ein schwer gestörtes Preisgefüge hat, sondern aufgrund des Endgames der Mannheimer.

(Zugegeben, Rabatte hat es immer gegeben und heftige Preisnachlässe auf (ver)alte(te) Lexika – meist vor oder während der Einführung von Neuauflagen. Dass dies ein statistisch signifikanter Ausreisser nach oben ist, kann ich nur vermuten. Hinzu kommt: Wenn meine Firma am 31. Januar ihre Lagerrestbestände abtreten müsste, wäre mir jeder Verkaufspreis an einen Verwerter lieb.)

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Lebenszeichen von der Erde: Encyclopedia of Earth nun online

Thursday, September 28th, 2006

Ohne größeres Aufsehen sind die ersten Artikel der “Encyclopedia of Earth” online gegangen. Herausgeberin ist die “Digital Universe Foundation” (DUF), die mit einer Mischung aus Internetproviderdienst und gemeinnütziger Stiftung ein Netzwerk an frei zugänglichen Informationen schaffen möchte.

Nach eigenen Angaben umfasst das Nachschlagewerk derzeit etwas über 350 Artikel, die allesamt mehr oder weniger dem Themengebiet “Erde” zuzuordnen sind. Dazu zählen nach der Konzeption der Autoren Artikel über Maßeinheiten (Ampere, Meter, Candela), geographische Orte (Baku, Arco, Suez Canal) und einzelne Gesetze (United States Uranium Mill Tailings Radiation Control Act of 1978). Dabei fällt auf, das bislang keine Gewichtung von Begriffen nach Relevanz erfolgt und kein Vollständigkeitsanspruch versucht wird einzulösen. Bezeichnenderweise klafft zum eigentlichen Thema des Lexikons, der Erde, noch eine Lücke.

Jedem Artikel ist ein Bereichsredakteur und ein Autor zugeordnet. In einigen Fällen wurden entnahmen die Macher Artikel fast vollständig von externen Seiten, deren Texte als frei von Urheberrechten gelten können, weil sie durch Regierungsangestellte verfasst wurden.

Die Artikel der Encyclopedia of Earth stehen unter der Creative Commons-Lizenz (BY-SA), sind also kommerziell nutzbar und frei veränderbar. Eine Nennung der Autoren ist erforderlich. Obwohl im Geiste ähnlich, ist die GNU Lizenz für Freie Dokumentationen (GFDL) nicht kompatibel mit dieser Lizenz. Wikipedia ist derzeit unter der GFDL lizenziert. Zudem verwendet die EoE derzeit Bilder, die nicht unter freien Lizenzen stehen.

Der Start der Encyclopedia of Earth war mehrfach verschoben worden, zuletzt hatte es gar keinen Erscheinungstermin mehr gegeben. In den begleitenden Dokumenten der Digital Universe Foundation wird auf einen Start im Oktober verwiesen. Es ist möglich, daß die Größe des Lexikons bis dahin noch zunehmen wird. Larry Sanger, der einst als bezahlter Redakteur den Start der Wikipedia erlebte und nun Angestellter der DUF ist, gab zuletzt in Berlin auf der Wizards of OS-Konferenz an, es seien bereits 1000 Artikel geschrieben.

Neue Autoren dürfen, vorbehaltlich ihrer fachlichen Eignung an der Verbesserung der EoE mitwirken. Im diesbezüglichen Aufruf bitten die Verantwortlichen darum, sich mit dem Nachweis der erbrachten Leistungen und weiterer Dokumente zu bewerben.

Die Encyclopedia of Earth markiert das erste Lebenszeichen eines Projektes, dessen Größe nach DUF-Plänen alles bisher dagewesene in den Schatten stellen soll. Mittels eines zentralen Themenbaumes sollen Benutzer von Themenportal zu Themenportal geführt werden, wo ihnen eine Mischung aus Nachrichtenseiten und Hintergrundinformationen angeboten werden. Bislang ist die Form dieser Portale nur erahnbar. Seit Sommer befindet sich das “EarthPortal“, bei dem auch die EoE angesiedelt ist, in einem “Beta 1.0″-Status, ist aber bislang noch weitgehend ohne eigene Inhalte. Propagierte Firmengründer Joseph Firmage noch 2003 einen eigenen Browser, der auf der Codebasis des Mozilla-Browsers abstammte, ist das Surfen im Digital Universe auch mit handelsüblichen Browsern möglich. Eine Download-Option für den “Manyone-Browser” wurde im Sommer eingestellt. Die Portale nutzen vielfach via Frames eingebundene Inhalte von Dritten. Diese Praxis verstößt zumindest in Deutschland gegen urheberrechtliche Bestimmungen, sofern die Erlaubnis der Urheber fehlt.

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Der Lexikonherbst 2006 – Kontinuität als Leitmotiv

Wednesday, August 30th, 2006

Auch dieses Jahr werben eine Reihe von Verlagen um die Gunst der Kunden, Geld in den Kauf eines neuen Lexikons zu stecken. Zu diesem Ritual gehören auch Neuauflagen der gängisten elektonischen Nachschlagewerke. Eine Übersicht über die Ankündigungen.

Der deutsch(sprachig)e Markt der Lexika wird 2006 von drei Firmen bedient. Das Bibliographische Institut & F.A. Brockhaus, das mit den Marken Brockhaus, Meyers und Duden vertreten ist, bringt in diesen Wochen die letzte Lieferung der 30bändigen Enzyklopädie in die Läden. Die elektronische Entsprechung, deren Text auf einem USB-Stick und deren Bildmaterial auf DVDs gespeichert ist, erschien im Spätherbst 2005. Da nicht von der Buchpreisbindung betroffen, wird bei einigen Firmen der empfohlene Verkaufspreis von 1.499.- € deutlich unterschritten. Der Käufer einer der beiden Versionen hat außerdem die Möglichkeit, online unter brockhaus-enzyklopaedie.de Suchanfragen zu stellen. Eine Aktualisierung der Texte soll bis 2010 erfolgen. Die Enzyklopädie umfasst nach Brockhaus-Zählung 300.000 Stichwörter mit über 30 Millionen Wörtern Text.

In niedrigeren Preisregionen bewegt sich der Brockhaus multimedial, erhältlich in einer Standardausgabe für Windows (ISBN-13: 978-3-411-06550-9, 39,95 €) und einer Premiumversion für Windows, MacOS X und Linux (ISBN-13: 978-3-411-06548-6, 99,95 €). Besitzer vorangegangener Versionen können auf preislich reduzierte update-Versionen zurückgreifen. Der Brockhaus multimedial bietet neben Lexikon und Atlas eine Reihe von Gimmicks aus dem Edutainment-Arsenal. Neu ist in diesem Jahr ein elektronisches Planetarium. Nach einer Meldung von PC-Welt könnte sich das Erscheinen des Brockhaus Multimedial in diesem Jahr verzögern. Ein Sicherheitsupdate von Windows XP verhindert derzeit den Start der Brockhaus-Produkte, davon betroffen scheint auch die kommende Version zu sein.

Im Herbst erscheint nach einigen Jahren Funkstille das Meyers Taschenlexikon, dem eine DVD mit dem Volltext beigelegt ist (ISBN-13: 978-3-411-10060-6 optisch dezent; ISBN-13: 978-3-411-10640-0 mit Buchrückengestaltung von Udo Lindenberg, beide 149,95 €). Anfang dieser Woche hatte der Verlag den Volltext des Taschenlexikons in der aktuellen Fassung mit 150.000 Stichwörtern zum kostenlosen Abruf online gestellt. Ebenfalls mit Silberling im Buchrücken erhältlich ist der Dreibänder (ISBN-13: 978-3-7653-1504-6, 89,00 €) unter Brockhaus-Label..

Als 1996 der Softwareriese Microsoft mit einem eigenen Nachschlagewerk in den Ring stieg, entbrannte für einige Zeit eine heftige Schlacht um neue Features, größere Textmengen und letztlich um Marktanteile zwischen dem branchenfremden Newcomer und den Platzhirschen. Nach 10 Jahren ist von dem Tempo nur noch wenig zu spüren. Auch die Firma aus Redmond kümmert sich primär nur noch um Produktpflege und leichte kosmetische Korrekturen. Eine der größten Innovationen war 2005 die Umbenennung der Produkte mit unterschiedlichen Ausstattungsmerkmalen.

Zum 1. September wird der Käufer die Wahl zwischen Encarta 2007 Enzyklopädie, Encarta 2007 Standard und Encarta 2007 Lernen und Wissen haben. Der lexikalische Teil ist – bis auf die nötige Fortschreibung der Daten – identisch zum Vorjahr. Bei Wissen und Lernen liegen den obligatorischen multimedialen Daten noch Dateivorlagen und kleinere Hilfsprogramme bei, die Schülern der Klassen 6-12 bei Arbeiten helfen sollen. Genau wie der digitale Wälzer aus Mannheim bietet die Encarta ein kleines Lexikon für Jüngere mit kindgerecht verpackten Inhalten an.

Bertelsmann lizenziert in diesem Jahr seine Texte an United Soft Media zum Vertrieb. Das Bertelsmann Universallexikon 2007 (Windows, ISBN: 3-8032-2853-0 für 14,90€) wendet sich nach Eigenaussage des Herstellers an Schüler. 70.000 Stichwörter sollen dabei zumindest quantitativ den Anschluß an die anderen Anbieter schaffen.

Für den 1. Oktober 2006 hat der Berliner Verlag Directmedia Publishing die Ausgabe 2006/2007 der Sonderausgabe der Digitalen Bibliothek mit den Inhalten der deutschsprachigen Wikipedia versprochen. Der empfohlene Verkaufspreis der DVD (ISBN: 3-89853-021-3) beträgt 9,90 Euro, der Download über P2P-Tauschbörsen wird erlaubt.

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