Vor mir liegt “Dieter Hildebrandt: Die Neunte. Schiller, Beethoven und die Geschichte eines musikalischen Welterfolgs” als Hardcover aus dem Hanser-Verlag. 512g schwer, 376 Seiten lang mit viel Text und ein paar Bildern. Als PDF kämen wir bei sorgfältiger Komprimierung mit Bildern ungefähr auf ein Megabyte, ohne vielleicht 300 KByte.
Das “N” in Die Neunte ist ungefähr 1,5 cm hoch. Genauso wie eine dieser modernen microSD-Karten mit derzeit maximal 16 GByte Speicherkapazität. 1 Gramm schwer. Grob gerechnet und mit plusminus eine Zehnerpotenz vermutlich 16.000 Bücher, deutlich leichter als der Schutzumschlag für ein physisches. Wer es jetzt unfair findet, den 1g schweren Speicher mit dem ganzen Buch zu vergleichen, nimmt halt noch ein Lesegerät dazu, die wiegen knapp 300g.
Seit der Vorstellung der ersten microSD-Karten ist der Preis pro Gigabyte etwas über den Faktor 100 gefallen, je nach Datenlage. Im September 2005 gingen 64, 128 respektive 256 MB-Karten für 17.99, 22.99 und 64.99 US-Dollar über den Tresen. Heute sind wir bei 14,79 für eine 8 GByte-Karte. Genauere Marktdaten können diese Entwicklung etwas feiner darstellen. Ist man jetzt einmal so naiv und führt die Reihe weiter, stehen Ende 2012 Speicherkarten dieser Größe mit einer Kapazität von einem halben Terabyte für ungefähr 10 Dollar im Regal. Wer kein Moore-Optimist ist, kann einfach hilfweise von 100 GByte für 25 Euro ausgehen, die Details sind unerheblich.
Das Jahr 2013: Die Kosten für einen tragbaren Datenspeicher, der den Bestand einer gut sortierten mittelgroßen Bibliothek von vielleicht fasst, werden auf dem Niveau einer Kino-Eintrittskarte liegen.
Natürlich können wir alle viel verschwenderischer werden und hochauflösende Bilder, Rohdaten, Audiotracks, Begleitsoftware und kleine Videoschnipsel einbinden. Aber selbst dann werden wir nicht arm werden, den kompletten Bestand lieferbarer Bücher aller deutschen Verlage zu speichern, wenn, ach wenn da nicht die leidige Frage nach der Bezahlbarkeit der Inhalte selbst stünde. Langendorfs Dienst gibt den durchschnittlichen Preis eines verkauften Buches bei knapp 10 Euro an. Wir können davon ausgehen, dass der Durchschnittspreis aller angebotenen Bücher darüber liegen wird. Auch hier wieder, die mehr als nur die Größenordnung ist ja letztlich egal, ein grober Überschlag (für das Jahr 2012):
- Kosten für ein Ebook-Lesegerät: 300 Euro
- Kosten für eine oder mehrere Speicherkarten für den kompletten Bestand aus dem Verzeichnis lieferbarer Bücher: unter 100 Euro
- Kosten für den Erwerb von je einem Buch aus dem VlB: irgendwas um die 10-20 Millionen Euro
Unberücksichtigt sind Weltwirtschaftskrisen, Systemwechsel der Wirtschaftsordnung oder die Einführung einer Kulturflatrate. Teile davon könnten aber mitunter hilfreich sein, um 2012 herum als Nichtmillionär eine solche Speicherkarte füllen zu können, ohne sich strafbar zu machen.
Tags: Literatur, microSD
Fehlen nur noch Lesebeantworter oder Buchrekorder. Also irgendwer, der einem – frei nach Douglas Adams – die Arbeit abnimmt, diese ganzen Bücher auch zu lesen.
Andersherum: ich nutze derzeit pro Woche 3-4 Bücher (1-2 Unterhaltung, 1-2 Wissenschaft), so pi mal Daumen. Macht im Jahr maximal 200 Bücher, die wären dann durchaus finanzierbar.