Lycos iQ, das ist eine Frage- und Antwort “Community”. Die Idee von Lycos iQ ist, möglichst kostenlos an viel Text zu gelangen und dann Werbebanner zu verkaufen. Dadurch ist die Rolle der “Community” bereits vorgegeben: Stellt Fragen, schreibt Antworten und klickt auf unsere Banner.
Mein bisher einziger Kontakt war auf einem Podium mit einem Lycos Europe-Manager, der dann am Rande nach einigem Nachfragen angeben musste, dass zu wenige Menschen Fragen stellten und man durch bezahlte Kräfte nachhelfen müsse.
Am 25. Februar 2009 wird Lycos iQ UK dichtmachen. Frankreich, Niederlande und Dänemark ebenso, schreibt das deutsche Lycos iQ Rumpfsupportteam:
LYCOS iQ wird in Deutschland und Schweden (Spray iQ) auf unbestimmte Zeit erstmal weitergeführt. Leider können wir noch keinen genauen Zeitpunkt benennen, aber wir halten euch selbstverständlich weiterhin auf dem Laufenden.
Ich interpretiere das als “der Zeitpunkt der Schließung von Lycos iQ Deutschland und Schweden ist noch nicht bekannt und nicht, wie im Blog erträumt, dass die beiden tatsächlich weitergeführt werden. Diese Lesart wird zumindest in einem anderen Blog zwar nicht geteilt, aber auch dort ist sowas wie Ernüchterung spürbar. Ich wusste bisher nicht, dass überhaupt so viele Leute an der Seite hängen.
Die – für einen Nutzer – höchst unbefriedigende Situation entsteht unter anderem durch die Fehlentscheidung, Inhalte in so einer Weise zum Gebrauch zu überlassen, die eine Weiternutzung durch Dritte von der Genehmigung durch Lycos abhängig macht. Würden sich jetzt also 5 oder 50 iQ-Menschen finden, könnten sie maximal ihre eigenen Texte dort einbringen – im Endeffekt also wieder von vorne anfangen (warum auch immer man dies tun wollte). Die entsprechenden Nutzungsbestimmungen dazu lauten in den AGB:
Mit der Eingabe von Inhalten zur Veröffentlichung in einem öffentlich zugänglichen Bereich eines Lycos Dienstes ermächtigen Sie Lycos durch Gewährung eines weltweiten, kostenlosen, unbefristete, nicht exklusiven, inhaltlich unbegrenzten Rechts, einschließlich des Rechts zur Gewährung von Unterlizenzen dazu, die Inhalte sowie Auszüge daraus zu vervielfältigen, zu übertragen, öffentlich zugänglich zu machen und darzustellen, zu bearbeiten, zu zitieren, in Sammlungen und Emails zu integrieren und zu verteilen.
Hätten die Nutzer ihre Inhalte unter cc-by-sa gestellt, hätte Lycos iQ weiterhin alles tun können, was man auch jetzt schon tat, mit dem Unterschied, dass auch Dritte die Inhalte hätten nachnutzen können, beispielsweise für den Nachbau von Lycos iQ zu einem Zeitpunkt, da das Original in Schutt und Asche liegt.
Tags: Freie Lizenzen, Lycos, Lycos iQ
So ganz kann ich die Schlußfolgerung aus diesem Artikel für mich nicht nachvollziehen. Jeder Nutzer von Lycos iQ hat Lycos wie oben beschrieben “nicht exklusive” Nutzungsrechte an seinen Beiträgen eingeräumt. Diese könnten sogar noch zur Laufzeit von Lycos ebenfalls wiederum auch Dritten eingeräumt werden, in jedem Fall aber z.B. bei einer Weiterführung von Lycos iQ durch Dritte unter eigener Firma (Rechtsnachfolger oder nicht) mit neuem Login dort und gleichlautender Erklärung.
Korrekt ist, daß die Nutzer für eine weitere Verwendung durch Dritte, die nicht mit Lycos verflochten sind bzw. Unterlizenzenzen von Lycos erworben haben, mit diesen eine neue Vertragsvereinbarung treffen müßten. Das jedoch halte ich als Urheber von Beiträgen bei Lycos iQ für selbstverständlich (auch im Internet).
Die Genehmigung durch Lycos ist nicht nötig, wenn die Zustimmung durch den/die Urheber vorliegt. Wie geschrieben -> nicht exklusiv :-)
Gruß
Wolf
aka grandpa_wolf
Richtig, es ist eine nicht-exklusive Einräumung von Nutzerrechten. Der Nutzer selbst kann aber jeweils nur seine eigenen Texte an dritter Stelle weiternutzen. Ohne Zustimmung von Lycos Europe ist damit ein Fork, eine Kopie, eine Weiterführung des Systems nicht möglich.
Aus praktischen Gründen ist es nicht möglich, alle Nutzer um eine Erlaubnis zu bitten, die jemals zu LycosIQ beigetragen haben. Alleine schon die Freigabeprozedur für einen Block von Frage und Antworten dürfte schwierig bis unmöglich werden.
Ein Fork ohne Zugang zur LiQ-Engine (also der Datenbank), wäre aber ohne Zustimmung von Lycos ebenfalls schon technisch nicht möglich.
Und wer immer das weiterführen möchte, sollte sowieso Interesse an der Engine haben, schließlich ist das der Bereich, in dem dieses Portal ggü. dem Wettbewerb die meisten Vorteile hat (die Nachteile liegen auf anderem Gebiet).
Auch fehlt mir die Vorstellungskraft, wie man ohne Zugriff auf die DB die Beiträge en bloque einlesen könnte von extern (bzw. halt ohne Placet von Lycos), selbst wenn man einen lizenzrechtlich freien Zugang hätte.
Genau das ist natürlich das Problem, wenigstens über ein wenig Crawling der Seite könnte man Daten retten. Einfacher wäre es natürlich, wenn Lycos von sich aus dumps der Datenbank bereitstellte. Im Falle von Wikipedia ist dies beispielsweise via http://download.wikimedia.org gelöst.
Genauso wie eine Suchmaschine eine Seite indexiert, wäre über ein wenig scraping der relevante Teil der Daten rettbar, auch ohne Mitarbeit von Lycos.
Nun – ob Lycos in den Inhalten der Nutzer mehr sieht als eben Träger in der Masse für Werbeeinnahmen, weiß ich nicht zu beurteilen.
Es wird zwar gelegentlich das Wissensforum in den Vordergrund gestellt, aber das genutzte Bewertungssystem referenziert auf Quantität.
Auch wurde bisher seitens Lycos-naher Kreise z.B. im Forum die Qualität der Beiträge von Nutzern eher als mangelhaft bewertet. Ich tendiere zwar im Vergleich mit anderen Frage/Antworten Communities zu einem anderen Ergebnis, aber ich bin in dieser Frage natürlich auch befangen.
Ob also Lycos die Beiträge überhaupt als rettenswert betrachtet, um dann einen Dump à la Wikipedia bereitzustellen, ist mir selbst nach fast zwei Jahren Zugehörigkeit nicht bekannt.
Mir war jedoch neu, daß eine Datenrettung auch ohne Hilfestellung seitens Lycos generell machbar wäre. Insofern haben Sie natürlich recht mit der Einschätzung, daß die weitere Nutzung bereits vorhandener Beiträge ohne Zustimmung oder Erlöschen von Lycos schwierig ist.