Operation Verbrannte Erde

Hin und wieder gehe ich bei einer Jokers-Filiale vorbei. Einige Monate stand im Eingangsbereich ein Stapel mit der letzten Ausgabe  “Meyers Taschenlexikon” (Verkaufspreis ehemals ungefähr 150 Euro) herum, herabgesetzt auf 49 Euro. Auch in den anderen Buchhandlungen gab es ähnliche Angebote. Eines der Pakete mit den Lexika hatte eine signifikante Kerbe an der Rückseite, so war relativ einfach nachvollziehbar, dass von diesem Stalel über einen langen Zeitraum nichts verkauft wurde.

Seitdem hat die Anzahl von ähnlichen Preisnachlässen spürbar zugenommen. Einen mehrbändigen Brockhaus gibt es jetzt für 99 statt 250 Euro, am anderen Ende der Skala gibt es eine “Meyers Kompaktlexikon” für 5 Euro. Vorauflagen des “neuen Universallexikons” aus dem Bertelsmann Lexikon Institut gehen für leicht moderatere Nachlässe über die Restseller-Verkaufstresen wie beispielsweise bei Weltbild/Jokers.

Das einzige, was jetzt noch fehlt, ist eine Studienausgabe der Brockhaus Enzyklopädie in 30 Bänden für, sagen wir mal, 999 Euro oder eine Wagenladung der Ledereinband-Enzyklopädie mit “Transportschäden” für 1250 Euro.

Berücksichtigt man noch die Schwemme an Zeitungs-Brand-Lexika in den letzten Jahren, kann ich mir immer schwerer vorstellen, dass der Markt für gedruckte Lexika nicht aufgrund des “geänderten Medienverhaltens” und Wikipedia ein schwer gestörtes Preisgefüge hat, sondern aufgrund des Endgames der Mannheimer.

(Zugegeben, Rabatte hat es immer gegeben und heftige Preisnachlässe auf (ver)alte(te) Lexika – meist vor oder während der Einführung von Neuauflagen. Dass dies ein statistisch signifikanter Ausreisser nach oben ist, kann ich nur vermuten. Hinzu kommt: Wenn meine Firma am 31. Januar ihre Lagerrestbestände abtreten müsste, wäre mir jeder Verkaufspreis an einen Verwerter lieb.)

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6 Responses to “Operation Verbrannte Erde”

  1. Sebastian says:

    Hm, sonst stehen im Eingangsbereich bei Buchhändlern doch die Bestseller und nicht die Ladenhüter. Seltsame Filiale.

  2. Heike says:

    “Hin und wieder gehe ich bei der Wikipedia vorbei… Einer der Artikel hatte signifikante Fehler, so war relativ einfach nachvollziehbar, dass an diesem Text über einen langen Zeitraum keiner mit Verstand gearbeitet hatte.”

    Eine Aufgabe an den Amateurlexikografen: Recherchieren Sie noch einmal, welche Anbieter mit dem Preisdumping im Segment begonnen haben. Maybe it’s your new best friend.