Archive for December, 2008

Wikipedia-Wünsche für 2009 (unsortiert)

Wednesday, December 31st, 2008
  1. Mehr Semantic MediaWiki bei Wikimedia-Projekten. Gerne auch mal eine deutschsprachige Wikipedia mit aktivierter Semantic MediaWiki-Erweiterung (optional ein- oder ausschaltbar).
  2. Mehr Datenspenden: So viele Bildarchive hätten noch auf Wikimedia Commons Platz. Gerne auch in höherer Auflösung.
  3. Videospenden für Wikimedia Commons. Es gibt 16 Landesparlamente und einen Bundestag, da müsste doch grundsätzlich frei lizenzierbares Videomaterial abfallen.
  4. Mehr Kooperationen mit strukturierten Textquellen. Beispielsweise eine dynamische Verlinkung auf deutschsprachige Nachrichtenseiten via Templates und  Kategorisierungssystem (PND, SWD, DDC, etc.)
  5. Größerer Einsatz der [[Vorlage:ISBN]] in der deutschsprachigen Wikipedia, gerne auch ein Aufbau einer frei lizenzierten Literaturdatenbank neben der Wikipedia.
  6. Intelligente Nutzung der Nutzungsstatistiken, um beispielsweise Lesern relevante aktuelle Artikelhinweise zu geben.
  7. Eine schöne Wikimania in Buenos Aires.
  8. Eine open source NLQ-Engine im Einsatz bei wikipedia.org
  9. Einen Markeninhaber von “Brockhaus”, mit dem man schöne Dinge gemeinsam anstellen kann
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9 (5) dem Wahrheitsbeweis zugängliche Vorhersagen für 2009 – Kleinz Edition

Tuesday, December 30th, 2008

Drüben bei netzwertig kritisiert der Herr Kleinz, dass Pronosen nach dem Stil “Die Münze wird eine starke Abwärtsbeschleunigung erfahren” weniger hilfreich sind als “Die Münze fällt auf Kopf”. Letztere hat den Nachteil, dass man sich dann  für ein Jahrzehnt (wenn man “prominent” ist, ein Jahrhundert) vorhalten lassen kann, wie falsch man gelegen hat.

Sein Rezept: Konkrete Fragen stellen.

  1. Wem gehört StudiVZ am 31. Dezember 2009?
  2. Werden am Stichtag mehr Bezahl-Applikationen im App Store, im Android Store oder auf Facebook angeboten?
  3. Welches konkrete Produkt wird Microsoft 2009 für den Mobilmarkt veröffentlichen?
  4. Wird Twitter im Jahr 2009 Werbung einführen?
  5. Nenne ein Mashup, das mit heutigen APIs und AGBs unmöglich ist und im Jahr 2009 zum Erfolg wird?

Seine Antworten:

  1. Holtzbrinck
  2. App Store
  3. Neues Windows Mobile mit neuem Browser
  4. ja
  5. iTunes-LastFM

Meine Antworten:

  1. StudiVZ wird an Facebook fallen. Gerne auch vor 2010
  2. Bezahlapplikationen? Das wäre ja fast ein Beleg für das Scheitern. So gefragt: App Store.
  3. Ein Mobiltelefon, als Zune gebranded. Ziel: Dass die Konkurrenten vor Lachen totumfallen und Microsoft auch hier zum Monopolisten werden.
  4. Ja, aber sie werden behaupten, es sei keine Werbung. Medienblogs werden versuchen, das Gegenteil zu beweisen.
  5. (Adult)Friendfinder gemasht mit einer geleakten Jobseeker-Plattform wie monster.de, stepstone oder arbeitsagentur.de

Dieses Posting wird auf Wiedervorlage 1. Januar 2010 gelegt.

[update:]

Meine Gegenfragen an den Herrn Kleinz:

  1. Welchen Zustand wie in  Deutschland die staatliche Zensurinfrastruktur am Ende des Jahres haben? Wird der durchschnittliche DSL-User in Deutschland ungefilterten Zugriff auf nsdapao.com oder die gängigen Jihad-Seiten oder Kinderporno-Anbieter haben?
  2. Welchen Anteil an den Page Impressions (ja, ich weiss, scheiss Maßeinheit) werden die 10 größten Seiten (ebenfalls gemessen an den PIs in der Definition der IVW zum dortigen Zeitpunkt) in der IVW-Ausweisung im Verhältnis zu allen anderen Seiten haben (Stichmonat November 2009)? Treffer ist, wer auf 5% genau kommt oder alternativ ein auf 3 Prozentpunkte genaues Delta zu November 2008.
  3. Wird www.sco.com am 31.Dezember 2009 noch eine Website sein, die UnixWare und OpenServer als eigenes Produkt zum Erwerb anbietet?
  4. Wie viele verschiedene Titel wird ein deutscher Kunde für sein in Deutschland erworbenes Kindle bei amazon.com kaufen können? (Auf 10.000 genau)
  5. Wie viele (Bonuspunkte für “welche”) Firmen, die zum Zeitpunkt ihrer Übernahme einen Börsenwert von mehr als 1 Milliarde Dollar (alternativ: Umsatz ohne TAC von mehr als 100 Millionen) Dollar haben, wird Google 2009 übernommen haben? 2008 angekündigte Übernahmen, die erst 2009 vollzogen werden, gelten nicht.
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Technikpädagogik

Tuesday, December 30th, 2008

Auf dem 25C3 stellen ein paar Forscher vor, wie sie sich bei einer CA ein Zertifikat haben ausstellen lassen und dann ein paar Schwachstellen beim Hashing-Verfahren (MD5) ausgenutzt haben. In den nächsten Tagen wird auf heise oder bei anderen Newsseiten etwas über diesen praktischen Angriff stehen. Hoffentlich deutlich besser erklärt werden als ich das jemals könnte.

Alexander Sotirov und Jacob Appelbaum weisen auf ein kleines Problem hin. MD5-Angriffe sind seit 2004 bekannt, sie werden mit einer respektablen Geschwindigkeit besser und erlauben inzwischen weitgehend freie Erzeugung von Kollisionen. Dies hat aber die CAs nicht davon abgehalten, MD5 weiterhin zu nutzen. Sie machen so lange weiter, bis ihnen die Decke über dem Kopf auseinanderfällt.

Wenn das schon bei Technikfirmen so schlimm ist, bleibt eigentlich keine Hoffnung mehr für Politiker, wenn es um Hinweise auf Bug in der von ihnen geschriebenen Software (Gesetze genant) geht. Schlussfolgerung: Nicht mehr in der Annahme auf die Fehler hinweisen, man könne dadurch den Prozess konstruktiv befördern oder das Schlimmste verhindern. Ab jetzt nur noch demonstrieren, was so alles schiefgehen kann.

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Mit der Schrotflinte gegen DECT

Monday, December 29th, 2008

Auf dem 25C3 stellen Andreas Schuler, Erik Tews, Ralf-Philipp Weinmann gerade DECT vor und eine Sammlung von Angriffen gegen das System.

Später wird auch Software auf http://dedected.org/cgi-bin/trac.cgi auftauchen, die Seite ist im Moment noch passwort-geschützt.

In der Summe: Spätestens ab jetzt bitte nichts wichtiges mehr via DECT machen.

Witziges Detail am Rande: Die Angriffe auf die Verschlüsselung wurden sehr erleichtert, weil Alcatel in Spanien ein Patent eingereicht hat und dort ein paar Infos über die Verschlüsselung auftauchen.

Kismet soll wohl in der nächsten Version unterstützung für DECT enthalten.

Nötige Hardware für das ganze: Com-On-Air PCMCIA-Karte. Kostenpunkt 23 Euro.

Die Uni Darmstadt bzw. das “Center for Advances Security Research – CASED” haben eine Pressemitteilung herausgeschickt. Gefühlter Schwerpunkt der PM: CASED ist toll.

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Chrome, not Content

Sunday, December 28th, 2008

In der taz findet sich ein Plädoyer von Rudolf Walther, auf keinen Fall die Inhalte der Brockhaus Enzyklopädie kostenlos ins Internet zu stellen. Warum er das gerade jetzt fordert, kommt nicht durch. Genausowenig wie die Information, dass seit geraumer Zeit Brockhaus-Inhalte mehr oder weniger in Form des “Meyers Lexikon Online” kostenlos und werbefinanziert im Netz stehen.

Rudolf schreibt:

Aber anstrebenswert ist nicht eine Angleichung von Brockhaus und Wikipedia, sondern zwei Medien: eines auf dem Niveau von Wikipedia und eine Online-Enzyklopädie von Brockhaus-würdigem Format.

Die Schwurbelei am Ende spricht Bände, zumindest kann man erstmal unterstellen, dass es ihm nicht um Inhalt, sondern um Form geht. Wenn wir (Teile der) Wikipedia-Inhalte als “Brockhaus Online”, mit digitalem Goldschnitt und einer grotesken Preisvorstellung online bringen würden, wäre das doch dann in seinem Interesse, ja?

Ebenfalls nicht uninteressant ist der Artikel im Börsenblatt 52/2008 ab Seite 23. Dort geht es um die Brockhaus-Übernahme und um den Verkauf der Leipziger Kommissions- und Großhandelsbuchgesellschaft (LKG) an KNO VA. Gemeinsame Klammer ist der gefühlte Untergang der Buchstadt Leipzig. Michael Roesler-Graichen (mein Lieblingsangestellter beim BöBla)  hat für den Artikel den Wissenmedia-GF Christoph Hünermann befragt. Perle der Interviewkunst gefällig?

Können Sie damit endlich den Nutzerstrom von Wikipedia zurückleiten?

Da wäre ich vorsichtig. Nach zehn Jahren Online-Vermarktung mit Wissen.de und Spiegel Wissen kann ich nur sagen: Das ist ein sensibles, schwieriges Geschäft. Ich kann mir definitiv nicht vorstellen, dass wir ein kostenfreies Brockhaus-Portal aufmachen, in dem der komplette Content enthalten ist. Die Encyclopedia Britannica, die wieder zur Printproduktion zurückgekehrt ist, ist ein Lehrstück.

Britannica ist witzigerweise ein Verein, der seit einigen Monaten faktisch (mal wieder) alle Inhalte der Encyclopaedia Britannica kostenlos und online verfügbar macht, zusammengemischt mit Bildern von Wikimedia Commons. Wenn schon Lehrstück, dann für ein nagware-Modell. Solange, bis sie Lehrstück für was ganz anderes werden.

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Meine Wunschliste für Hardware 2009

Saturday, December 27th, 2008

Seit dem Sommer 2008 begleitet mich recht häufig ein Medion Akoya E1210 (baugleich zum MSI Wind) und ich bin damit sehr zufrieden. Kleiner sollte es wirklich nicht sein, der Atom-Prozessor ist richtig performant und das Display ist hell. Ubuntu (oder Ubuntu MID) könnte deutlich angenehmer auf dem Gerät laufen, Windows XP ist relativ angenehm und flott. 6 Stunden Laufzeit reichen auch bei längeren Unternehmungen aus. Zusammen mit einer UMTS-Karte und Flatrate ist das einfach wunderbar.

Mit 6 Monaten Erfahrung im Rücken bleiben winzige Wünsche für Verbesserungen:

  1. Atom 330 oder jeder andere dual-code Atom, der für mobile Kleingeräte (will man das noch Netbook nennen oder jetzt erst recht?). In den meisten Fällen ist ein Atom Diamondville mehr, als man zum vernünftigen Arbeiten mit den üblichen Anwendungen (Openoffice.org, Firefox/Chrome, VLC, Jabber/Skype/Gaim, Cygwin) braucht. Oh, und Fallout 2 oder ähnliches. Einige Programme wie Picasa oder GIMP würden sich dennoch über mehr Leistung freuen; man kann darüber streiten, ob man wirklich Bilder auf 1024*600 anschauen oder bearbeiten will. In den allermeisten Fällen wird sich der zweite Kern genauso langweilen wie der erste Kern im Moment.
  2. Eingebautes UMTS-Modem mit einer anständigen Antenne. Die Huawei-USB-Mobems sind prima, wenn sie erstmal laufen. Linux mag es nicht, wenn sie erst später eingesteckt wird. In der Konsequenz baumelt eine relativ nervige Karte neben dem Netbook. Einfache Lösung: UMTS-Modem in das Gerät einbauen.
  3. NVIDIA Ion Platform (einige wenige Details). Würde ich gerne mal in einem Gerät eingebaut sehen. Mal sehen, wie Intel das verhinden will.
  4. More of everything (except size and weight). Display-Auflösung, HDD bzw. SSD, RAM, Laufzeit können gerne beliebig höher sein. Gerade die Begrenzung auf y=600 in 1024*600 sorgt für Frust, wenn Software intolerant gegenüber solchen Auflösungen ist. VLC hat einige Dialoge, die erst ab y=800 benutzbar sind, gleiches gilt für einige Webseiten.
  5. Ein Lüfter, der nicht zu Klappern anfängt oder lieber etwas, völlig ohne bewegliche Teile.

Ob das dann noch ein “Netbook” wäre oder einfach ein kleines Notebook oder irgendwas Drittes, ist mir egal. 400€ wären großartig, 500€ wären angemessen, 600€ würde langsam das Produkt uninteressant machen.

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Der Tod der DVD-Enzyklopädien

Friday, December 26th, 2008

Faszinierend ist, wie wenig Aufmerksamkeit der Niedergang der elektronischen Enzyklopädien auf Datenträgern erhält. Encarta 2009 (alias Microsoft Wissen und Lernen) ist größtenteils eine Download-Version mit ein wenig OEM hier und da. 

Brockhaus multimedial wurde dieses Jahr auf eine Version heruntergedampft, premium ist die neue Basis-Version. Mit der Übernahme im Nacken ist fraglich, ob und wie Folgeprodukte aussehen werden.

Auch Bertelsmann bzw. USM fällt 2008 nicht durch Innovation auf, eine 2009er-Version war nicht auffindbar.

Keine neue Version der DVD mit Wikipedia-Inhalten ist durch Directmedia angekündigt.

Tröstend ist, dass der Silberling nicht alt genug werden konnte, um einen Freundeskreis zu bekommen, der ihrem Tod nachflennen wird.

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Brockhaus geht zu Bertelsmann

Friday, December 26th, 2008

Am 17. Dezember gingen so gegen 12 Uhr zwei getrennte Pressemitteilungen über den Ticker:

  1. Arvato: Bündelung der Aktivitäten im Bereich Enzyklopädie – wissenmedia GmbH erwirbt die Traditionsmarke Brockhaus
  2. BIFAB: Bibliographisches Institut trennt sich von Brockhaus und konzentriert sich auf Duden

BIFAB AG, die Bibliographische Institut & F.A. Brockhaus AG, verkauft zum Jahresende den Markennamen und die Inhalte (und lt. Arvato die noch auf Halde liegenden bereits mit Brockhaus-Marke produzierten Bücher).

Zwei Tage später habe ich Klaus Holoch, den Pressesprecher von BIFAB, ein paar Fragen geschickt:

  1. Was geschieht mit der Plattform xipolis.net?
  2. Sind die Software-Pakete, wie sie beispielsweise für den Brockhaus multimedial oder für die Officebibliothek eingesetzt werden, Teil des Transfers an Bertelsmann?
  3. Ist es zulässig zu sagen, dass die von den Nutzern für das Meyers-Lexikon erstellten Inhalte zum Zeitpunkt der angekündigten Abschaltung verloren sein werden?
  4. Sind die Themenlexika, die unter der “Harenberg”-Marke im Meyers-Produktkatalog stehen, Teil des Transfers?
  5. Verfügt das neue Bibliographische Institut nach dem Transfer noch über die Nutzungsrechte über ältere, noch urheberrechtlich geschützte Lexikonsubstanzen wie das Meyers Enzyklopädische Lexikon?

Xipolis.net: Die Gespräche liefen noch. Klaus Holoch wollte mir auf Nachfrage nicht mitteilen, mit wem die Gespräche liefen.

Brockhaus-Software: Bertelsmann/Arvato/InmediaOne] erwirbt die Rechte an der Software “Brockhaus multimedial”, nicht jedoch an der Software “Officebibliothek”.

Verlust der Nutzerbeiträge: Diese Frage müsse man Bertelsmann stellen, warum auch immer. Einen konkreten Zeitpunkt der Abschaltung wollte Holoch nicht nennen.

Harenberg-Lexika: Ja, auch diese Titel wandern zu Bertelsmann.

Weitere lexikalische Substanzen: Klaus Holoch wollte hierzu keine Stellungnahme abgeben. BIFAB werde sich vollständig aus dem Markt der Lexika zurückziehen. Man wolle die Frage nicht beantworten, ob die Firma noch über Nutzungsrechte an älteren lexikalischen Substanzen (beispielsweise Meyers Enzyklopädisches Lexikon) verfüge.

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Wenn überhaupt Zensur…

Thursday, December 25th, 2008

Nach der Sperrung der Wikipedia durch die “IWF” gab es hin und wieder Ansätze einer Diskussion über die Mindestanforderungen einer Zensurinfrastruktur. Also so etwas wie der Versuch, das Biest ein wenig zivilisierter erscheinen zu lassen.

Ich versuche mal selbst so eine Liste mit Kriterien aufzustellen, bei denen ich persönlich nicht völlig auf die Barrikaden gehen würde:

  1. Die Sperrliste müsste von einer Institution erstellt werden, die demokratisch legitimiert ist. Also ein Bundeszensurausschuss, gerne auch mit Richtern besetzt.
  2. Der Personenkreis derer, die eine Sperrung beantragen dürfen, müsste offen benannt sein.
  3. Die Gründe für die Aufnahme in eine Sperrliste müssten abschließend, bestimmt und nachprüfbar sein. “Möglicherweise illegale Inhalte” ist weder konkret und nachprüfbar, möglicherweise ist alles illegal.
  4. Am Anfang eines Sperrverfahrens müsste die Benachrichtigung der Seitenbetreiber, der Provider und der für die Inhalte verantwortlichen Personen stehen. Zu jedem Zeitpunkt des Verfahrens müsste die Gelegenheit zur Stellungnahme existieren.
  5. Die Entscheidungen zur Aufnahme in die Sperrliste müssten publiziert werden, mit konkreten Gründen und mit der Nennung der in der Beschlussfassung betrauten Menschen. Alle im Sperrverfahren eingereichten Dokumente (Stellungnahmen, Gutachten) müssten offen zugänglich sein.
  6. Die aktuelle Sperrliste und ihre Versionsgeschichte müsste offen einsehbar sein – zusammen mit den Pointern auf die vollständigen im Sperrverfahren eingereichten Dokumente.
  7. Wenn ein Provider die Sperrlistenfunktion umsetzt, muss er dies seinen Kunden offen mitteilen. Der Kunde muss schriftlich bei Vertragsabschluss zur Kenntnis nehmen, dass er ein zensiertes Internet vor sich hat.
  8. Wer eine gesperrte URL besucht und durch seinen Provider keinen Zugriff vermittelt bekommt, muss dies offen mitgeteilt bekommen, mit Verweis auf die rechtlichen Grundlagen der Sperrung, das Aktenzeichen des Sperrverfahrens, die Begründung der Sperrung und die Möglichkeit zum Einspruch.
  9. Jede Entscheidung zur Sperrung müsste von Gerichten durch die Betroffenen zur Überprüfung vorgelegt werden können. Betroffen ist bereits, wer keinen Zugriff auf eine gewünsche URL erhält.
  10. Provider, die Seiten, die nicht auf der Sperrliste stehen, sperren oder die Pflichtangaben (Punkt 8 ) der Sperrbegründung nicht anzeigen, sind gegenüber dem Seitenbetreibern und den Kunden des ISP schadensersatzpflichtig.
  11. Eine Sperrung von Seiten, deren Betreiber in Deutschland sind und die damit für die deutsche Justiz voll greifbar sind, ist unnötig. Wenn die Inhalte “illegal” sind, ist es Sache der ganz normalen Strafverfolgung. Wenn die nach deutschem Recht nicht strafbar sind, ist eine Sperrung unzulässig.
  12. Konsequenterweise ist damit auch eine Sperrung von Seiten, die in Länden mit Rechtshilfeabkommen mit Deutschland stehen oder die in Staaten mit entwickeltem Rechtssystem stehen, unzulässig, weil es ein besseres Mittel gibt.
  13. Seitenbetreiber von Seiten, deren Sperrung bei einer richterlichen Überprüfung aufgehoben wird, haben Anspruch auf Schadensersatz.
  14. Die Sperrung von Webseiten darf sich maximal auf genau die “illegalen” Inhalte erstrecken, nicht auf unbeanstandete Inhalte auf der Seite. Wenn beispielsweise ein unbeanstandeter Artikel mit einem kinderpornographischen Bild illustriert ist, darf der Artikel nicht gesperrt werden und auch kein anderes unbeanstandetes Bild – analog gilt Punkt 10.
  15. Die Sperrungsverfügung einer Seite wird automatisch suspendiert, sollte der inkriminierte Inhalt nicht mehr dort verfügbar sein. 

Das ist jetzt erstmal halb aus der Hüfte geschossen der Anfang einer Liste mit Mindestkriterien, die eine solche Zensurlösung einen Tick weniger unerträglich machen könnten. Vergleichbar mit der Entscheidung, das Beil des Henkers vor der Vollstreckung von Todesurteilen zu desinfizieren.

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Bundesnachrichtendienst sorgt für Nachrichten

Thursday, December 25th, 2008

Vor den Feiertagen schrieb ich über eine Pressemitteilung des Projektes Wikileaks, das sich durch den Präsidenten des BND bedrängt fühlte.

Ich habe daraufhin an leitungsstab@bnd.bund.de, nach Angaben von Wikileaks Absenderadresse der Emails von Uhrlau, eine eigene Email geschrieben und um Bestätigung gebeten. Bislang (und wegen der Feiertage auch nicht überraschend) kam noch keine Antwort.

Die Berliner taz war da “erfolgreicher“:

Von Seiten des BND war auf Anfrage der taz keine Stellungnahme zu bekommen. Zwar habe man die eingestellten Artikel auf Wikileaks zur Kenntnis genommen. Der Pressesprecher teilte jedoch mit, dass der BND weder ein generelles Interesse an der Webseite noch an den darauf entfalteten publizistischen Aktivitäten habe.

Ein Pressesprecher muss das wohl sagen. Für einen Nachrichtendienst wäre es hingegen ein Armutszeugnis, wenn er wirklich gar kein Interesse an einer Seite wie Wikileaks hätte (genauso wie ein übersteigertes Interesse).

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